BUDENHEIM – Beeindruckt zeigte sich das Publikum beim Konzert zweier Ausnahmemusiker im Konzertsaal von Schloss Waldthausen: Geiger Valeriy Sokolov und Pianist Evgeny Izotov widmen sich mit Vorliebe hochkomplexen, kaum spielbaren Werken wie etwa der expressiv dissonanten Sonate Nr. 1 von Bela Bartok oder einem Ausflug Ravels in die Welt der Zigeunermusik.
Und auch Beethoven kann eine musikalische Herausforderung sein. Bei der Sonate Nr. 6 A-Dur von 1802 ist das vor allem der aus unterschiedlichen Facetten zusammengewürfelte lebendig schwärmerische Allegro-Satz mit verspielten Trillern, luftig leichtem Spiel, abrupten Stimmungswechseln und bisweilen gegenläufiger unabhängiger sich reibender Tonbildung von Geige und Piano. Eher konventionell muten dann die beiden folgenden Sätze an. Während der zweite Satz entspannt beginnt und sanglich melodiöse Konturen entwickelt, nimmt der dritte Satz zu Beginn mächtig Fahrt auf, um sich anschließend in lieblichen oder tänzerischen Variationen abzuwechseln – Sokolov und Izotov gelingt das virtuos.
Aus der gleichen Zeit stammt die größere, anspruchsvollere Sonate Nr. 7 c-Moll mit reichlich Feuer und Dramatik in den Ecksätzen. Melancholische Geigenklänge und tiefes Rumoren des Klaviers leiten ein spannendes Crescendo ein. Die furiose Steigerung im Finale endet mit mächtigen Pianoakkorden. Nach sanftem Beginn rauen auf- und absteigende Pianomelodien den zweiten Satz auf, die von der Geige übernommen werden. Lange Geigentöne treffen auf rollende Pianonoten. Springlebendig und tänzerisch gibt sich der dritte Satz. Mit dramatisch zugespitzten Anläufen endet der bewegte Finalsatz.
Nicht jeder mochte den schroffen dissonanten Klängen von Bela Bartoks Sonate Nr. 1 folgen. Das Werk der frühen Moderne beginnt mit mächtigen Klavierclustern zu knappen atonalen Geigenmotiven in großen Intervallen. Mit wogendem Ton, aufsteigend in ätherische Höhen oder auf den Saiten reitend, spielt Sokolov durchdringend und bisweilen scharf akzentuiert, mit Obertönen angereichert oder in weltverloren langen Bögen. Das furiose Allegro nähert sich ungestümer Maschinenmusik an. Donnernde Pianoakkorde treffen auf angerissene Saiten, Geigen-Glissandi und schroffe Striche im klirrenden Diskant. Dabei erinnert die Präzision des Spiels an ein ineinandergreifendes Uhrwerk

Große Begeisterung löst die vielschichtige Konzert-Rhapsodie „Tzigane“ von Maurice Ravel im romantischen Duktus mit furios tänzerischen Passagen aus. Spritzig, humorvoll und virtuos lässt Sokolov seine Geige solistisch, mit angerissenen Saiten, volksmusikalisch intensiv oder ekstatisch flirrend ertönen. Eine Zigeunerweise von Fritz Kreisler gibt es als Zugabe, damit endet ein anspruchsvoller und ganz besonderer Musikabend im Schloss Waldthausen.

SWR Schloss Waldthausen. April 2019