Prokofiev 2
MDR Leipzig

Vollmundig intoniert Valeriy Sokolov die volkstümliche Weise zu Beginn, doch unter der lyrischen Oberfläche brodelt es: Immer wieder wird die Geborgenheit der Hauptthemen aufgebrochen von schattenhaft umhergeisternden Gestalten. Von denen lässt Sokolov sich allerdings nicht irritieren: Auch die solistisch ausgedehnten Passagen spielt er mit unaufdringlicher Virtuosität aus, manövriert die wendigen, teils aberwitzig langen Tonverkettungen über dem sich chromatisch hochschraubenden Getümmel unbehelligt über das Griffbrett und formt mal einen robusten, geradlinigen Ton, mal einen schwelgerisch wiegenden. In Fritz Kreislers kompaktem Recitativo und Scherzo op. 6 als Zugabe begeistert der 31-Jährige zusätzlich mit einem temperamentvollen Wechselspiel violinistischer Raffinesse.

Alexander Faschon, Leipziger Volkszeitung, 13 November 2017